Knallharte Bässe und schroffe Sprüche ...
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Knallharte Bässe und schroffe Sprüche

300 Fans erleben mit »Team One« fulminantes Rap-Konzert und Schimpfen als Sportart

Von Marco Purkhart
Versmold (WB). Wo sonst auf gemütlichen Polsterplätzen harmonischer Blasmusik oder sanften Chorgesängen gelauscht wird, war am Freitag die Hölle los: 300 begeisterte Besucher ließen sich aus ihren Sitzschalen reißen und feierten mit der heimischen Rap-Band »Team One« einen Abend voller Beats und Sprechgesang, der das biedere Ambiente in der Hauptschul-Aula beiseite fegte. Fazit des Konzerts: Versmold mag es gerne etwas härter.
Im Mittelpunkt der außergewöhnlichen Veranstaltung standen »Big Mop« und »Tayse«. Die beiden 22-jährigen Versmolder, die im normalen Leben Christoph Artkamp und Serhan Tayan heißen und gewöhnlichen Jobs nachgehen, präsentierten erstmals vor Publikum ihr Album »The Time.« Obwohl das seit zwei Jahren in Versmold als »Team One« bekannte Duo bereits mehrere Auftritte vor Publikum genossen hatte, waren die Jungs am Freitag spürbar nervös, wie »Tayse« berichtete: »Vor 300 Leuten auf der Bühne zu stehen, das war genau die Traumwelt, die wir uns immer vorstellen. Wir konnten unseren Emotionen freien Lauf lassen und bekamen eine riesige, positive Resonanz.«
Ein wichtiger Punkt. Schließlich befanden sich unter den Zuhörern nicht nur Acht- bis 24-Jährige, sondern auch mancher »Mitte-Fünfziger«, dem die Darbietungen zunächst wohl etwas befremdlich vorgekommen sein dürften.
War die akustische Untermalung durch knallhart dröhnende Bässe bereits etwas Besonderes, stellte die angewandte Sprache der Künstler manch gut erzogenen Besucher vor eine wahre Zerreißprobe. Denn nach einer halbstündigen »Einführungsphase« mit sanfteren Soul- und R&B-Tönen ging es nach der Pause verbal in die Vollen: Es folgten Albumsongs, deren Texte teilweise nicht im Ansatz zitierfähig sind. »Wer nicht weiß, dass diese harte Sprache zur Rap-Musik dazugehört, kann durchaus geschockt sein«, erklärte »Tayse« nach der Show. Doch hinter den auf Schmutzsprache vorgetragenen Songs steckt in der Regel gesellschaftspolitische Kritik mit konstruktivem Kern, die vor allem durch die emotionale Verwicklung der Künstler einen aggressiven Anstrich erhält. Im Lied »Vorurteile« verarbeitet »Tayse« zum Beispiel Ressentiments, die ihm als Türken oftmals widerfahren sind und stellt fest: »Nicht jeder Moslem ist ein Attentäter, der Anschläge plant.« Eine Botschaft, die das Duo demnächst vielleicht sogar bei geplanten Auftritten in Dortmund und Berlin verbreiten darf. Beim Versmolder Publikum kam die »Message« jedenfalls an, wippten doch selbst die ältesten Konzertbesucher losgelöst auf und ab. Keine Frage, dass »Team One« mit »Du bist die« den Hit des Abends in der Zugabe zum Besten geben musste.
Anschließend durften sich die frisch gewonnenen Fans noch einmal davon überzeugen, dass Schimpfen auch als Sportart betrachtet werden kann. Beim »Battle« standen sich sieben Rapper aus Versmold, Bielefeld und Siegen gegenüber, um sich mit rhythmischem Sprechgesang im Duell gegenseitig wortgewaltig niederzumachen. Mit »Shot«, alias Sawwas Hotomanidis (18), setzte sich ein Versmolder durch und strich dafür 200 Euro aus den Eintrittsgeldern ein. Eine Belohnung, die man ihm gönnte. Denn derbste Diffamierungen auf persönlicher Ebene während des redegewandten Wettbewerbs zu akzeptieren und sich nachher fair zu umarmen - auch das ist eine wahre Kunst für sich, die auf ihre Weise beeindruckt.