Stöbern im Wald statt surfen im Netz
WB vom 23.April 2008
Kindercafé geht auf Entdeckungstour
Von Burkhard Hoeltzenbein
Versmold (WB). Vor Regenwürmern und Rüsselkäfern
schrecken Timo Gerlach und Moira Schalanski nicht zurück. Neugierig
greifen die achtjährigen Jungen nach den Waldboden-Bewohnern und
begutachten den Wurm und das Insekt aufmerksam. 19 Schüler sind gestern
mit dem Kindercafé im Wald beim Gut Niediek auf Erkundungstour gewesen.
Expeditionsleiterin
Gritli Noack-Füller von der Biologischen Station Bielefeld-Gütersloh
geht mit den Kindern die ehernen Gesetze für den Waldspaziergang durch:
Nicht vom Weg abkommen, keine Pflanzen ausreißen, leise sein, niemanden
vergessen. Die erfahrenen Waldbesucher Yannik, Valea, Maurice und
Janine aus der Klasse 2 d der Sonnenschule kennen die Benimmregeln im
Forst bereits. »Wir waren schon mit unserer Schule hier«, erzählen sie
Jens Schröder vom Kindercafé des Jugendzentrums Westside, der auf die
übermütige Meute aufpasst.
{mosimage} Die guten Vorsätze halten natürlich
nicht ewig. »Psst!«, warnt Gritli Füller noch, als die abenteuerlustige
Schar nach einem Kilometer auf einen kleinen Nebenweg abbiegt. Zu spät.
Vor dem Rascheln der Füße im Laub und den vorlauten Kinderstimmen
nehmen zwei Rehe panisch Reißaus.
Zunächst steht Botanik auf dem
Plan des dreistündigen Waldseminars. Die interessanten Blattpflanzen am
Wegesrand geben unterschiedliche Gerüche ab. Für Jasmin riecht die
Knoblauchrauke nach Gurke und auch das Schafbockskraut duftet
würzig-lecker. »Aber nicht probieren«, warnt Füller vorsichtshalber die
ganz Neugierigen. Schließlich seien hier auch Hunde unterwegs, die der
vegetarischen Kost eine besondere »Note« verliehen haben könnten.
Beim
»Eins, zwei oder drei«-Quiz beweisen die Steppkes derweil ihr Wissen.
»Wer zimmert sich selbst eine Bruthöhle?«, fragt die Biologin und freut
sich, dass alle den Specht kennen. An der kniffeligen Zusatzfrage, ob
nun Meisen oder Amseln diese Höhlen ebenfalls nutzen, scheiden sich
aber die Geister, gibt es zwei Lager. »Meise ist richtig«, folgt prompt
die Auflösung.
»Ich habe gerade eine Kreuzspinne gesehen«, leitet
Maurice nahtlos zum nächsten Thema über. Überall auf dem Waldbogen
kreuchen und fleuchen winzig kleine Tierchen, die als Müllmänner und
Resteverwerter ganze Arbeit leisten, wie Füller anhand von Blättern
zeigt. Das eine frische grüne ist eben erst als Frühlingsbote
entstanden. Daneben liegt ein fast durchsichtiges aus dem Vorjahr, an
dessen »Füllung« sich die Käfer ausgiebig gelabt haben.
Das
Live-Erlebnis mit spielerischen Einlagen und ernsthaften, kindgerechten
Belehrungen hinterlässt bei den wissbegierigen Schülern einen tiefen
Eindruck davon, wie die Natur im komplexen Zusammenspiel der Systeme
funktioniert.
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»Die Idee ist, den Kindern die Natur wieder näher zu
bringen«, sagt Gritli Füller. Viele Eltern würden heute keinen Wert
darauf legen, mit ihrem Nachwuchs an frischer Luft die Welt zu
erkunden. Statt Stöbern im Wald sei bei der »Digitalgeneration« eher
Surfen im Internet angesagt. Die Bestätigung für die ernsten Worte
lässt nicht lange auf sich warten: »Boah, guck mal, der Wald ist ja
voll in 3 D«, staunt einer der vom Computer geprägten Steppkes.
