Plattgedrückte Nasen beim Boeing-Start
WB vom 21./22.Juni 2008
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»Kindercafé«-Gruppe wirft Blick hinter die Kulissen des Flugh
Von Klaus Münstermann (Text und Fotos)
Versmold/Münster/Osnabrück (WB). Die Szene ist überwältigend: Als eine Boeing 737auf dem Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) mit vollem Schub abhebt und wenig später hinter einer dünnen Wolkendecke verschwindet, drückt sich die kleine Valea vor lauter Faszination an der Scheibe des Besucherbusses die Nase platt.
Die Achtjährige und ihre sechs Spielgefährten aus dem Kindercafé des Jugendzentrum Westside kommen während der Führung über den internationalen Flughafen aus dem Staunen kaum heraus. Kein Wunder, sind doch erst zwei der Kinder in ihrem Leben schon einmal geflogen.
Christel
Schmidt hat der kleinen Rasselbande und den Betreuern Seniye
Dalmis-Engelbrecht und Jens Schröder vom Jugendzentrum viel Spannendes
zu erzählen. Die 70-Jährige ist eine von 14 Mitarbeitern des
FMO-Besucherservice-Teams. Seit elf Jahren zieht die Grevenerin
Besucher mit Geschichten in ihren Bann.
Die vielen statistischen
Daten zu Beginn über Bauzeiten und -kosten der zwei Terminals sind für
den Versmolder Nachwuchs nicht so interessant. Das ändert sich als
Valea, Maurice und Co. ihre Sicherheitsausweise bekommen und
gleichzeitig etwas »von gesprengten Koffern, Rauchmeldern und der
Flughafenfeuerwehr« hören. Als die Gruppe die Rolltreppe zum
Abflugbereich empor fährt, ist das Gejohle noch groß. Oben angekommen,
wird es jedoch schlagartig ruhig. Ein Polizist, Personal in Uniform und
die Apparaturen der Personenkontrolle beeindrucken die Kinder.
Artig werden die just erst geschenkt bekommenen hellblauen FMO-Kappen sowie alle Metall-Gegenstände zum Durchleuchten in eine Kiste gelegt und es geht ab durch die Schleuse in die Abflughalle. Christel Schmidt erklärt, dass der Flughafen derzeit Kapazitäten für drei Millionen Passagiere pro Jahr hat und das die »schweren Vögel der Lüfte« mit Kerosin statt Benzin fliegen. Eine von neun täglichen Linienmaschinen aus München wird in Sichtweite gerade für den Rückflug nach Süddeutschland betankt. Die anschließende Busfahrt ist der Höhepunkt der Führung. Ganz langsam geht es an den vielen Sportflugzeugen und einem quietschgelben ADAC-Hubschrauber vorbei.
»Dabei ist zu viel Unfug getrieben worden«, erklärt Christel Schmidt, warum Besucher auch an den kleinen Maschinen nicht aussteigen, geschweige denn in sie einsteigen dürfen. Doch das wird auch fast zur Nebensache, als die Kinder den Start der Boeing 737 aus nächster Nähe erleben dürfen. FMO-Mitarbeiterin Christel Schmidt beendet den Rundgang an der Gepäckausgabe so spannend, wie sie ihn begonnen hatte: »Vor wenigen Wochen schlugen Spürhunde bei einem ahnungslosen Mann an und die Beamten vermuteten Waffen in seinem Gepäck.« Im Zuge der Durchsuchung erklärte der Mann, sein schmerzhaftes Knie mit Waffenöl eingeschmiert zu haben - der Verdachtsfall war aufgeklärt.
FMO-Führung
Der FMO-Besucherservice
veranstaltete im vergangenen Jahr 553 Führungen. Derzeit zählen 14
Mitarbeiter zum Team der stellvertretenden Pressesprecherin Silvia
Rose-Becker. Eine Führung dauert 90 Minuten. Aus Sicherheitsgründen
gehören maximal 30 Personen zu einer Besuchergruppe. Eine
Erwachsenengruppe zahlt 67 Euro, Schulklassen nur 52 Euro. An jedem
zweiten Sonntag eines Monats besteht die Möglichkeit als Einzelner,
Familie oder Kleingruppe ab 16 Uhr an einer Führung teilzunehmen. Beim
exklusiven Angebot »Night flight« (mindestens zehn Personen) genießt
man während des Essens freien Blick auf das Vorfeld. Starts, Landungen
und Abfertigung der Flieger können aus nächster Nähe verfolgt werden.
Höhepunkt des Abends ist eine Busfahrt über die beleuchtete Start- und
Landebahn.
Informationen zu Besucherführungen gibt es am Flughafen
unter Tel.: 0 25 71/94 15 15. Anmeldungen sind ebenfalls unter dieser
Nummer möglich.
