Knopfdruck lässt den Eiffelturm schrumpfen
HK vom 23.September 2008
Mädchen vom Jugendzentrum Westside zeichnen ihre Zukunftsvisionen beim Videoclipdreh
Versmold (chr). Tungalag Chalkhajav gibt ein paar Tropfen Wasser auf eine kleine rosa Tablette und eine Sekunde später liegt eine große Pizza Margarita auf dem Tisch. Zauberei, Fantasie oder Zukunftsvision? „Dass Essen aus Pillen entsteht, finde ich schon realistisch“, sagt Özlem Pehlivan. Unter dem Motto »Beam me up« verpacken sie, Tungalag Chalkhajav, Julia Burova und Ines Blasi ihre Vorstellungen von der Zukunft in einem 90-sekündigem Videoclip.
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Die Tücken im Ton: Ines Blasi (von links), Lena Westermann, Tungalag Chalkhajav und Julia Burova bereiten eine Nahaufnahme vor. Da muss vor allem die Technik stimmen. Foto: C. Remane
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Simone Klar und Lena Westermann von der Universität in Bielefeld begleiten die vier Versmolderinnen bei ihrem Tag am Set. Die Tabletten-Pizza ist eine Szene, die im Rahmen der Bielefelder Videoaktionswochengedreht wird. Ines Blasi schlüpft am Samstagin die Rolle der Kamerafrau und Özlem Pehlivan kümmert sich um den Ton. Julia Burova und Tungalag Chalkhajav sind Schauspielerinnen für einen Tag. Die Geschichte haben sie sich selbst ausgedacht. In der Zukunft, in der jeder tun kann, was er will, entscheidet sich Tungalag Calkhajav in ihrer Rolle als Enkelin, ihre schon verstorbene Urgroßmutter im Jahr 2008 zu besuchen. Wie aus dem Nichts taucht sie bei der Verwandten auf und nimmt sie mit ins Jahr 2108. Schnell stellt die Urgroßmutter (Julia Burova) fest, dass sich einiges geändert hat. So lebt ihre Familie inzwischen in Frankreich, genau genommen in Paris. Beim Besuch des Eiffelturms holt die Enkelin eine Fernbedienung heraus und schrumpft die Sehenswürdigkeit auf Souvenirgröße. Die Urgroßmutter ist begeistert und entscheidet kurzerhand, in der Zukunft zu bleiben. Ihre Enkeltochter sieht das jedoch anders. Um die Vergangenheit nicht noch weiter zu beeinflussen und vor allem um ihre eigene Geburt zu sichern, beamt sie die Großmutter per Knopfdruck zurück ins Jahr 2008. „Für die Zukunft stellen wir uns vor, dass jeder bekommt, was er sich wünscht“, erklärt Tungalag Chalkhajav die Idee hinter der Geschichte. Dass die Minimierung des Eiffelturms kein realistischer Wunsch ist, wissen die Mädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren. Das Drehbuch ist die eine Seite, die technische Umsetzung die andere. Über sechs Stunden verbrachten die Studentinnen Simone Klar und Lena Westermann am Samstag damit, die jungen Versmolderinnen in die Grundlagen eines Videoclipdrehs einzuweisen. Dazu brachten sie Kamera, Kopfhörer und Mikrofone mit.„Ich hab’s mir einfacher vorgestellt“, gibt Schülerin Özlem Pehlivan zu. Die Idee zur Teilnahme an den Videoaktionswochen stammt von der Westside-Mitarbeiterin Seniye Dalmis-Engelbrecht. „Den Jugendlichen soll so Medienkompetenz beigebracht werden“, erläutert sie. Dieses Ziel scheint am Tagesende erreicht. Die Mädchen sind nicht nur sicherer vor der Kamera. Sie haben auch gelernt, wie es hinter den Kulissen vor sich geht und was überhaupt grundlegend zu einem Videodreh dazugehört. Damit ist das Projekt noch nicht beendet. Im Oktober folgt die Premiere der Videoclips auf großer Leinwand im Cinemaxx in Bielefeld. Für die besten Aufnahmen gibts Preise.
