HK vom 18.Juni 2009
Multikulti ohne Cliquenwirtschaft
Bericht aus dem JuZ Westside im Ausschuss
Versmold (maut). „Das JuZ ist für viele ein zweites Zuhause.“ Es war dieser Satz von Olaf Hülck, der seine Bilanz für das Jugendzentrum Westside am besten zusammen-fasste. Der Sozialpädagoge erstattete im Jugend-, Kultur- und Schulausschuss Bericht und kassierte von Politik, Verwaltung und auch dem Kreis großes Lob. Was ihn
nicht dazu verleitete, die Probleme in der Versmolder Jugendarbeit zu verschweigen. Doch zunächst einmal war es Zeit für Worte wie Balsam von Michael Trödel, Jugendpfleger der Regionalstelle West: „In Versmold arbeiten unterschiedliche Akteure mit den Jugendlichen, die Vernetzung ist gut.“ Das JuZ sei nah am Ball und kooperiere mit anderen Einrichtungen. Olaf Hülck zeigte sich vor allem zufrieden mit der Zusammensetzung seiner Westside-Familie: „75 Prozent unserer Gäste
haben einen Migrationshintergrund, wir haben die unterschiedlichsten Nationalitäten bei uns. Und sind froh über diese multikulturelle Mischung, denn es geht nicht um Herkunft oder Religion. Die Zeit der Cliquenwirtschaft ist vorbei.“ Reagieren müsse sein Haus vielmehr auf schulische Anforderungen: „Wenn die Jugendlichen aus dem Ganztag erst um 16 Uhr nach Hause kommen, macht es keinen Sinn, schon ab 14 Uhr die Türen zu öffnen. Eher sollten wir bis 16 Uhr mehr Projekte mit Schulen umsetzen.“ Verstärkt bieten auch Vereine Kurse im Westside an. „Das ist wiederum eine Gelegenheit für uns, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen und die Vorurteile
von den bösen Jugendlichen im Jugendzentrum zu entkräften“, so Hülck. Dass im Westside die Jungs dominieren – sie stellen 96 der 120 »Stammgäste« – müsse
man trotz vieler Angebote speziell für Mädchen wohl akzeptieren. Noch mehr auszahlen müsse sich hingegen die Arbeit in den Ortsteilen. „Kathrin Stepien ist an den Plätzen, wo sich die Jugendlichen treffen, bereits präsent“, berichtet Hülck. Das gelte etwa für die Oesterweger Bushaltestelle, das Peckeloher Zentrum oder die
Sonnenschule. Trotz aller positiver Ansätze habe die Resonanz auf Angebote in den Ortsteilen zuletzt aber stark nachgelassen. „Hier darf keine Konsumhaltung der
Jugendlichen entstehen“, so Hülck. „Erst werden Wünsche erfüllt, dann besteht schnell kein Interesse mehr.“ Einen Wunsch äußerte der JuZ-Leiter gegenüber der Verwaltung: Das Westside-Team würde gerne über einen Bulli verfügen, um flexibler arbeiten zu können.
