Gemeinsam gegen Gewalt
Peckeloh. Wo genau fängt Gewalt an? Hat sie nur körperliche Formen? Was kann ich tun, wenn ich gewalttätiges Verhalten beobachte? Eingreifen? Und wenn ja – wie? Mit diesen Fragen haben sich jetzt die A-Junioren-Fußballer des SC Peckeloh beim ersten »Sozialtag gegen Gewalt« ihres Vereins beschäftigt. Die Erinnerung an den feigen Angriff auf einen Langenheider Spieler am 21. September (das HK berichtete) ist bei ihnen allgegenwärtig.

Zwei von ihnen hatten miterlebt, wie Teamkollegen der Peckeloher A 2-Junioren nach einem verlorenen Heimspiel gegen den TuS Langenheide einen TuS-Akteur auf dem Weg in die Kabinen attackierten. Der SCP meldete die Mannschaft daraufhin vom Spielbetrieb ab, die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Die Spruchkammer des Fußballkreises Bielefeld/Halle verhängte jetzt gegen die drei Haupttäter jeweils eine Sperre von zwölf Monaten. „Ein hartes Urteil“, kommentiert Langenheides Trainer Stefan Kleineböse. Er stellt zugleich die Frage, „ob den Peckeloher Jungen damit geholfen ist."
Helfen will nun der SC Peckeloh, damit es künftig möglichst erst gar nicht zu Vorfällen wie diesem kommt. Deshalb hat der Verein den »Sozialtag gegen Gewalt « ins Leben gerufen. „Man sollte immer an sich selbst denken und überlegen: »Wie würde etwas bei mir ankommen?“, verdeutlicht Sozialpädagoge Jens Schröder den Jugendlichen im Gespräch. Er ist mit seinem Kollegen Olaf Hülck, der ebenfalls für das Versmolder Jugendzentrum Westside arbeitet, in den SCP-Clubraum gekommen. Geld wollen sie für ihre Arbeit nicht haben.
„Für jeden hat Gewalt eine andere Ausprägung“, erläutert Hülck, „wir wollen die Jugendlichen sensibilisieren.“ Die erste A-Junioren-Mannschaft des SCP sei nicht gewalttätig, betont Hülck. Trotzdem: „Man kann mit Gewalt nur umgehen, wenn man sie erkennt.“ Dazu soll das Seminar beitragen.
Viele Spiele haben Hülck und Schröder für die Jugendlichen vorbereitet. „Trockener Theorieunterricht bringt nichts“, wissen sie. Gemeinsam mit den Jugendlichen haben sie Definitionen von Gewalt erarbeitet. „Man kann psychisch und physisch verletzen“, wissen die Nachwuchskicker, „auch Beleidigungen gehören dazu.“ Auf einer Stellwand haben sie Begriffe zusammengetragen, die sie mit Gewalt und Aggressivität verbinden. »Mobbing« ist da zu lesen. Genauso »Probleme«.
In einem sogenannten Sockenkampf erleben sie, wie es ist, von Umstehenden angefeuert zu werden. „Man will anderen oft beweisen, dass man stärker ist“, gibt Mahsum ehrlich zu. Niko räumt ein: „In der Gruppe fühlt man sich sicherer. Falls sich bei den anderen auch noch einer auf die Seite schlägt, ist man nicht allein.“ „Wer hat schon Bock, als Loser dazustehen?“, gibt Jens Schröder dem Gefühl einen Ausdruck. „Es ist schwer, aus der Situation herauszukommen, wenn man von außen aufgehetzt wird.“ Die Jugendlichen erstellen ein so genanntes Gewalt-Barometer, um einzuordnen, wo für sie Gewalt beginnt.
Weitere Seminare für SCP-Jugendteams folgen
In Kürze werden auch die Bund C-Jugendlichen des SC Peckeloh das Thema angehen.
TuS Langenheides Vorsitzender Eckhard Lohmann berichtete derweil, dem attackierten Langenheider Jugendlichen gehe es inzwischen besser. Eine Nacht hatte der 17-Jährige auf der Intensivstation verbringen müssen. „Die Kniescheibe hat einen Schaden davongetragen. Es ist noch nicht klar, ob sich das auf Dauer wieder reguliert“, sagte Lohmann. Immerhin: „Am vergangenen Sonntag hat er eine Viertelstunde gespielt.“ Das Engagement des SC Peckeloh begrüßt Lohmann. „Der Verein hat sich sehr um unseren Spieler bemüht, mehrfach mit den Eltern gesprochen. Ich weiß nicht, ob das jeder in diesem Umfang gemacht hätte."
