WB vom 16.Februar 2009

Integrative Ferienspiele im Jugendzentrum »Westside« feiern eine erfolgreiche Premiere

Von Burkhard H o e l t z e n b e i n
Ve r s m o l d (WB). Vom Herumtoben hat Lukas erst einmal genug. Auch zwei Runden Billard hat er schon hinter sich. Jetzt wartet der Elfjährige darauf, dass einer der begehrten Plätze im Internetcafé des Jugendzentrums frei wird. Ein bisschen Geduld ist bei den ersten integrativen Osterferienspielen im Jugendzentrum »Westside«
manchmal eben auch gefragt. Vier Tage lang finden 15 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren im Jugendzentrum den idealen Anlaufpunkt, um abwechslungsreiche,
unterhaltsame und spannende Ferien zu erleben. 

Für Lukas, Julia und Jana ist das Abenteuer Ferienspiele besonders aufregend. Alle drei sind junge Menschen mit einer geistigen Behinderung. Über den Verein Lebenshilfe im Kreis Gütersloh nehmen sie das Angebot wahr. »Wir fanden die Idee reizvoll und haben gerne zugesagt«, erklärt Mitarbeiter Jens Schröder, wie die Zusammenarbeit zustande gekommen ist. Überhaupt kommt die Premiere der Osterferienspiele beim Nachwuchs gut an. »Zuhause würde ich wahrscheinlich nur rumsitzen und mich langweilen«, vermutet die neunjährige Tanina. Und spricht damit aus, was viele ihrer Kollegen in der munteren Runde empfinden. Hier lernen sie stattdessen neue Freunde kennen und bekommen ein Ferienprogramm geboten, aus dem sie sich jederzeit ihre Lieblingsbeschäftigung frei wählen dürfen. Die aufgeweckte Schülerin der Sonnenschule hat noch ganz rote Wangen vom vielen Laufen. »Wir haben eine ›wilde Jagd durchs Haus‹ unternommen «, erklärt Tanina. 60 kleine Karten mit Quizaufgaben und Scherzfragen hat das Organisationsteam im »Juz« versteckt. Beim Aufspüren sammeln die Suchteams nicht nur fleißig Punkte, sondern lernen nebenbei auch das Haus und ihre Spielkameraden kennen. »Wir haben uns einen Tag lang zusammengesetzt und überlegt, was wir den Kindern bieten wollen «, sagt Zivildienstleistender Christian Boltz. Gemeinsam mit Ramona Schwürz ist er für das »Juz« im Einsatz.

Dazu verstärken Svenja Euler (21) und Maren Zurlinden (16), die für die Lebenshilfe aktiv sind, das Betreuerteam. Ihre drei Kinder, die sonst in Einrichtungen der Lebenshilfe betreut werden, fallen in dem bunten Treiben im und rund um das Jugendzentrum kaum auf. »Sie brauchen nur in bestimmten Situationen etwas mehr Unterstützung«, erklärt Svenja Euler. Beim Klettern passen die Betreuer besonders gut auf. Außerdem wollen ihre Schützlinge auch mal gefordert und gefördert werden. Für den richtigen Umgang hat Maren Zurlinden, die in Gütersloh das Städtische Gymnasium besucht, extra einen Lehrgang absolviert. Beim Programm der Ferienspiele gilt immer der Grundsatz, dass alle Angebote freiwillig wahrgenommen werden. »Wer den ganzen Tag über draußen auf der Wiese Fußball spielen will, kann das ohne Probleme machen«, stellt Boltz klar. Doch die Kletterstunde, Billard und Schnitzeljagd sind willkommene Abwechslungen, zu denen es keine Überredungskunst braucht. Das integrative Konzept begrüßen sowohl Lebenshilfe als auch das »Westside«. »Es ist ein Testballon, der sich sofort bewährt hat«, sagt Jens Schröder. In den nächsten Ferien kann sich der Sozialpädagoge weitere gemeinsame Aktivitäten vorstellen. Von dem Programm profitieren alle Kinder, denn besondere Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft gehören beim Spielen wie beim gemeinsamen Mittagessen wie selbstverständlich dazu.